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Wenn man…

…die Yellow Submarine am John Lennon Aipot bestaunt. Wenn man nervöser wird, wenn der Flieger Verspätung hat. Wenn man während des Wartens Reisefüher liest und hunderte von Post-it Stickern verklebt. Wenn man das ganze Haus von oben bis unten putzt. Wenn man viel Rosé Wein trinkt. Wenn man fast jeden Tag in der Sonne frühstückt. Wenn man endlich mal aufs Riesenrad steigt. Wenn man endlich wieder deutsche Gerichte gekocht bekommt. Wenn man wenig Zeit hat fürs Schreiben. Wenn man den Römern in Chester auf den Grund geht. Wenn man in einem Amphitheater in England steht. Wenn man Eichhörnchen füttern kann. Wenn man Kinder lateinische Parolen brüllen hört. Wenn man lang aufbleibt. Wenn man zum Strand fahren will und kein Zug fährt. Wenn man in unseglichen Städten strandet. Wenn man an Pieren sitzt anstatt im Sand.

Wenn man Vögel beobachtet und Schwankinder adoptieren möchte. Wenn man Stadtplänen vertraut. Wenn man sich über KFC Familien wundert. Wenn man aus dem Zug in die nächste Bar fällt um die EM zu verfolgen. Wenn man Geschenke und Souvenirs kauft. Wenn man sich Gartenausstellungen ansieht. Wenn man im Lake District auf Berge klettert. Wenn man vom Wind weg geweht wird. Wenn man durch Kleinstädte läuft. Wenn man mit Booten fährt. Wenn man Burgen bewundert. Wenn man 3 Stunden am Seeufer entlang wandert. Wenn man Schafe erschreckt. Wenn man Sonnenbrand bekommt. Wenn man Dolmetscher spielt. Wenn man zu zweit einen riesen Eisbecher beim Italiener verschlingt. Wenn man in Liverpool den Beatles Hallo sagt. Wenn man sich eine unglaubliche Gustav Klimt Ausstellung anschaut. Wenn man die Sonne vermisst, wenn sie nicht mehr da ist. Wenn man am letzten Abend indisch essen geht. Wenn man danach wieder EM schaut. Wenn man RTL in Hotelzimmern schaut. Wenn man am Flughafen noch einen letzten Kaffee zusammen trinkt.

Wenn…, dann hat man wohl Besuch gehabt.

Abwesenheit

Zwei Wochen sind vergangen und wo blieb die Zeit? Wahrscheinlich in meinen Büchern oder in meinem Bett, in Liverpool oder irgendwo anders. Meine Klausuren habe ich nun hinter mir, worüber ich froh bin und es kaum fassen kann, dass nun die Ferien da sind. Natürlich gibt es hier und da etwas zu tun. Ich freue mich jedoch mehr auf die anstehenden Besuche und auch auf meinen Urlaub in Berlin und Barcelona. Wie auch immer. Was war denn nun los in den hinter mir liegenden zwei Wochen?

Als ob das letzte Fußballspektakel nicht genug war, kam eine Woche später der nächste Knaller. Wir stolperten gerade frisch aus unserer letzten Klausur raus und beschlossen anzustoßen und dann etwas essen zu gehen. Zwei Stunden später saßen wir beim Spanier im Keller und ließen uns Paella kochen. Am Tisch nebenan saßen ca. 15 Männer, die aufgeregt das Geschehen auf dem Bildschirm verfolgten, da Manchester United in irgendeinem Endspiel standen. Als dann die Wir-schreien-um-uns-und-gegen-den-Fernseher-und-überhaupt-Phase los ging, platzte unserer kleinen Portugiesin Stephanie der Kragen. Sie schrieh ganz einfach den Namen der gegnerischen Mannschaft zurück und wurde sofort mit Essen beworfen. Als dann noch unser Franzose Dominique mit einstimmte wurden ihm die Fäuste gezeigt. Und ich? Ich schaute auf meinen Paella Teller, als ob ich den Namen Chelsea niemals selbst in den Mund genommen hätte. Auf meinem Weg nach Hause stand der Sieger des Spieles fest und kam ausgerechnet aus der Stadt in der Ich gerade lebe. Somit saß ich in meinem Bus und musste mit ansehen, wie eben dieser von hunderten von Menschen angehalten und beklettert wurde. Zum Glück ist damit nun erst einmal Ruhe im Karton - und in Manchester.

Am Montag fuhr ich dann also nach Liverpool - aktuelle Kulturhauptstadt Europas, was einem auch an jeder Straßenecke um die Ohren gehauen wurde. Wie oft ich an dem Tag Paul McCartney auf Postern hab singen sehen, weiß ich nicht. Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen. Jedoch verbrachte ich den Tag in dem schönen World Museum und anschließen in der Tate Gallerie, in der ich mit Freuden einige Stücke sehen durfte, die ich schon immer mal unter die Luppe nehmen wollte. Leider verpasste ich die Gustav Klimt Ausstellung, die erst am Freitag startete - aber dafür fahr ich gern noch einmal zurück. Auch die Innenstadt hat mich verzaubert, mit verschiedenen Künstlern an jeder Ecke. Da wurde gemalt, geschauspielert, gesungen, veralbert und verzaubert.

Am Abend traf ich dann die süßen Neuseeländer Minuit. Wir aßen zusammen, schwatzen und vertrieben uns die Zeit bis zu ihrem Auftritt. Am Ende das Abends hatte ich wieder einen kleinen Kiwi Akzent, der am Morgen darauf aber wieder verschwunden war. Ein Drama ist das.

Außerdem wird mein Thai immer besser, was wohl meinen vielen kleinen neuen Freunden zu verdanken ist. Eine Grillparty gab es vor ein paar Wochen, mit viel Fisch, Krabben, Mais und frischen Thaisalaten. Nebenbei erzählten wir uns Geschichten, tranken Cocktails und genossen den kühlen Sommerabend.

Ich merke es schon gar nicht mehr, wenn Unterhaltungen um mich herum von Thailändisch ins Englische wechseln und umgekehrt. Alles, was ich mitbekomme ist, dass dieser Haufen fast der Süßeste ist über den ich in England gestolpert bin, seit dem ich hier bin. Natürlich erhöht das gleichzeitg wieder meine Reiselust, wenn sie mir alte thailändische Fabeln erzählen, mir ihre Sprache beibringen oder mit ihrem Essen ankommen. Da wir uns jedoch alle in England befinden, machen wir gemeinsam das beste daraus und gehen somit am Montag gemeinsam auf den Rummel. Ein Spaß wird das - ich seh es schon kommen.

Bis dahin schwöre ich, wieder öfter zu schreiben und die kleinen Details zu erwähnen, denn die Zeit habe ich endlich wieder zurück.

Unruhen

Gestern war kein Tag. Gestern war Chaos. Als ich mich morgens auf den Weg zur Uni machte, wusste ich nicht, was mich erwarten sollte. Alles schien relativ harmlos, bis ich mit dem Bus die Innenstadt erreichte und nichts weiter sah als Menschen in blauen Trikots. Sie sangen und klatschten, tanzten und rannten - am liebsten über Straßen und Plätze. Am liebsten so, dass für jeden ein Durchkommen unmöglich war. Auf meinem Weg von Bushaltestelle A zu Bushaltestelle B versuchte ich den Kopf einzuziehen während ich über Piccadilly lief. An der Bushaltestelle gesellte sich ein Mann zu mir, der seine Plastiktüte auspackte und nichts weiter als Bier zu zeigen hatte. Polizisten liefen auf mich zu und klebten A4 große Zettel über meinen Kopf hinweg an die Bushaltestelle “Keine Busse nach Salford…”, Menschen wurden unruhig und fragten die Polizisten, was das zu bedeuten hätte, die nur “Ja was steht denn da geschrieben? Genau DAS hat es zu bedeuten!” zurückschriehen. Ich schaute auf meine Füße und dachte an meine Klausur. Also lief ich und hatte keine Zeit mehr fürs Vokabeln lernen.

Als ich aus der Klausur heraus kam, stieg ich in ein Taxi. Wo soll es hingehen? In die Straße vom Stadion? Du bist ja verrückt! Mädchen, weißt du denn nicht, dass die Rangers heute spielen? UEFA Cup Finale? Na gut, ich werd versuchen so nah heran zu kommen wie möglich! Nach einer halben Stunde war ich dort wo ich sein sollte und hatte kaum Zeit einzuatmen. Alles um mich herum sang und sprang immer noch in blauen Trikots. Ein kleiner Schotte kam auf mich zu, entfaltete einen Zettel, zeigte mit dem Finger auf einen Ablaufplan und fragte “Wo ist denn nun mein Sitzplatz? Das Spiel fängt doch gleich an! Und das Stadion - da bin ich doch jetzt schon, oder?”.

Ein paar Stunden später sah ich viele starke Männer weinen und als ich nachts um 2 Uhr durch die Innenstadt fuhr war nichts mehr dort wo es noch am Morgen stand, bis auf die Häuser und Gebäude. Straßenschilder lagen samt Menschen auf den Straßen, die in Glas und Papier getaucht waren. Wir fuhren Umleitungen, viele Umleitung, bis ich zu Hause ankam und die Decke über den Kopf zog.

Heute lache ich darüber, dass der Großbildschirm in der Innenstadt in der 15ten Spielminute kaputt ging (da bin ich dann doch Schadenfroh). Als ich in den Nachrichten sah wie Polizisten vor Hunderten von Schotten durch die Straßen gejagt wurden, bekam ich den Mund nicht mehr zu. Und als ich dann noch die Bilder von den dunklen Wolken über Berlin sah, da blieb mein Herz eine Sekunde lang stehen. Wahrscheinlich weil es immer noch mehr dort drüben schlägt, als hier.

Foto: James Lester

Hand: Voll (Porzellan).

Manchmal vergisst man, wie lang man das Meer nicht mehr nicht gesehen hat, bis es auf einmal wieder da ist, vor den Augen. Dieses Mal war es sogar schon warm genug um die Füße hinein zu stecken und die Nase Richtung Sonne zu strecken. Wir lagen den ganzen Tag auf unserer Decke: schliefen, sprachen, aßen, spielten und ließen meine Französischbücher in der Tasche. Manchmal wünschte ich das Meer vor der Tür zu haben. Direkt davor.

Jetzt muss ich mich wieder mit Stadtparks begnügen und meinen Klausuren zuwenden. Kaum zu glauben, dass in einer Woche mein erstes Jahr vorbei ist. Bis dahin gilt es noch drei Klausuren zu schreiben und eine Grillparty auf thailändische Art zu überstehen.

Und wo wir gerade beim Überstehen sind: die Premiere meines Kurzfilmes lief besser als ich es mir gewünscht habe. Sprachlose Gesichter, Tränen, ein “Brilliant”, viel Gezitter und viel Applaus. Mein erster Kurzfilm ist mehr oder weniger gelungen und ich habe sozusagen Blut geleckt. Nun muss ich mir überlegen, wann, wie und warum ich das nächste Mal eine Kamera in die Hand nehme. Das dauert aber sicher ein wenig, denn meine Sommerferien stehen vor der Tür. Und das Meer auch fast.

PORCELAIN

P.S. Es gibt auch viele neue Fotos zu sehen. Ihr wisst ja, wo ihr klicken müsst: nämlich HIER.

Mein neuer Freund

Heute sprach ich mit Totoro. Er meinte, dass bald alles besser wird. Die guten Dinge vom Himmel fallen werden, wie die Kirschblüten um uns herum. Ich mir weniger Sorgen um dieses und jenes mache und auch wieder durchatmen anstatt rennen kann. Denn beides gleichzeitig geht ja nicht.

Die letzte Woche voller Deadlines habe ich überlebt, die Differenzen fast nicht. Manche Menschen um mich herum scheinen der Meinung zu sein den ganzen Tag lang der Objektivität trotzen zu müssen und lassen gleichzeitig die schönsten Details außer Acht. Ihren Punkt verlieren sie dann meist und merken es nicht einmal.

Meinen Kurzfilm, der eigentlich eine Gruppenarbeit war, geht zum größten Teil auf meine eigene Kappe. Das Drehbuch stammt aus meiner Feder, die Kamera nahm ich selbst in die Hand, das Schneiden auch. Und während ich panisch zwischen Schneideraum und Französischtests hin und her lief, hatten meine Jungs nichts besseres zu tun als zu klagen, nur weil ich das 0-8-15, das GZSZ von Anfang an nicht haben wollte. Zwei aus drei sind jetzt bockig, einer jubelt.

Ich habe fast vergessen, wie das ist, wenn kreative Ideen und Vorstellungen auseinander driften und wie schwer es ist, unterschiedliche Köpfe an einen Tisch zu bringen und produktiv sein zu lassen. Da wird gezappelt, geflucht, gebockt, diskutiert, überlegt, noch mal überlegt, verbildlicht, missverstanden, verhört und vor allem nicht wahr genommen, was nicht wahrgenommen werden möchte.

Bis zur morgigen Premiere und dem inoffiziellen Semesterende, bis nächste Woche die Klausuren beginnen, bleib ich einfach bei Totoro. Der spricht nicht viel, lacht dafür gern und fliegt wenn er möchte. Und das auch gern mit Regenschirm.

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